Bluegrass

Bluegrass

Im Autoradio fordert ein Baptistenpfarrer seine Zuhörer zu einem gottgefälligen Leben auf. „Praise the lord“, schreit der Mann, immer wieder. Kann sein, dass der Mann frei spricht. Die UKW-Alternative zum Kirchenmann heißt Country. Der Empfang zwischen den Bergen ist lausig, mit dem Handy geht nichts.

3,4 Stunden südwestlich der Atlantikküste, der engbesiedelten, hektischen Hauptstadtregion liegt ein anderes Land. Appalachia, alte Berge, die wie ein Riegel zwischen Ostküste und Mittlerem Westen liegen.

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Blue Ridge Mountains, Shenandoah River

Die Landschaft ähnelt einem deutschen Mittelgebirge. Enge Täler, der Shenandoah, die Blue Ridge Mountains, Kohlereviere, entlegene Dörfer und in einer anderen Zeit stillgestandene Kleinstädte.

Die Appalachen in Kentucky, Virginia, West Virginia und Tennessee gelten als ein Armenhaus Amerikas. Der Kohleboom ist vorbei, die Landwirtschaft gibt nicht viel her. Hier hat Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl 2016 hervorragend abgeschnitten.

Es ist das Land der Hillbillies, der konservativen Habenichtse, der arbeitslosen ex-Kohlekumpel, der Armut, der grassierenden Tablettensucht. Es ist das Land der Mountain, Country und – Bluegrass-Musik.

In Bedford im Westen Virginias weht in den Vorgärten die Flagge der Konföderation. Über 150 Jahre nachdem der Bürgerkrieg verlorenging. Eine immer noch offene Wunde. Neben dem Rathaus ein gepflegtes, blumengeschmücktes  Betondenkmal für die Südstaatensoldaten, die im großen Krieg ihr Leben ließen, gleich daneben eine Erinnerung an die verehrten „Bedford Boys“, die im 2. Weltkrieg bei der Landung alliierter Truppen in der Normandie am 6. Juni 1944 starben.

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Bürgerkriegsdenkmal in Bedford

Douglas Cooper leitet das lokale Museum. Ein dicker, schwer atmender Mann, der den stattlichen Backsteinbau mit Erinnerungen an alte Zeiten vollgestopft hat, die er ohne Zögern der Gegenwart vorziehen würde.

Jeden Freitag um 19 Uhr lädt Cooper zum „Bluegrass Friday“.

Meine Frau hasst es. Sie mag einfach die Lead-Sänger mit den hohen Stimmen nicht

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Bluegrass Friday in Bassett

Das geht den 60 Senioren anders, die in die 2. Etage des Museums gekommen sind. Ältere Herren mit Bart und langen Haaren, die im grauen Rock des Südens sofort in einem Bürgerkriegsfilm mitspielen könnten.

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Fiedler in Bedford

Betagte Damen im Sonntagsstaat. Sie haben Banjos, Gitarren, Mandolinen, Kontrabässe und Fiedeln mitgebracht.

Den Anfang macht die Gruppe „Common Ground“.

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Common Ground, Ricky Ellis und Töchter Amy und Laura

Ricky Ellis, Mitte 50, Stoppelbart, spielt schon sein ganzes Leben. Ich zähle 4 sichtbare Zähne. Zahnärzte verlangen in Amerika unverschämte Summen, Krankenversicherungen auch. Bluegrass-Musiker aber verdienen nicht viel.

Ricky spielt Mandoline und Gitarre, Tochter Amy den Kontrabass, Laura die Fiedel. Die Musik der Berge ist akustisch, kommt ohne E-Gitarren, Keyboards und Schlagzeug aus.

 

„Common Ground“ beginnt mit Can´t you hear me calling”, einem Klassiker aus den Bergen Kentuckys, aufgenommen von Bill Monroe, der als Vater des Bluegrass verehrt wird. Die Tage sind lang, die Nächte einsam, seit Du mich verlassen hast, ich sorge mich so sehr, seit Du gegangen bist.

The days are long, the nights are lonely
Since you left me all alone
I loved you so, my little darlin‘
I’ve worried so since you’ve been gone
Sweetheart of mine, can’t you hear me callin‘?
A million times, I’ve loved you best
I mistreated you, darlin‘, I’m sorry
Come back to me is my request

Eine traurige Geschichte aus den Bergen, in eine simple musikalische Struktur gepackt, virtuos vorgetragen. Nein, das ist nicht meine Musik. Aber sie zu erleben ist großartig. Was blieb den Nachfahren der schottischen und irischen Siedler denn außer der Musik, fragt Museumsdirektor Douglas Cooper. Die Gegend hielt vor allem Verzicht bereit: Auf Wohlstand, Aufstieg, Anbindung an die Außenwelt.

Dieser Teil des Südens ist sehr ländlich. Die einzige Abendunterhaltung der Leute bestand darin, abends auf ihren Terrassen zu musizieren. Die Instrumente waren billig. Sie kamen zusammen und spielten die einzige Musik, die sie jemals gehört hatten. Wir nennen das Hillbilly-Musik, oder Bluegrass oder frühe Country-Musik: Das war ihre Unterhaltung, der Musik galt ihre Liebe. Und das ist zum Teil immer noch so.

Ricky Ellis ist Profi. Durch und durch. Und Mandolinen-Weltmeister:

5 Mal sogar. Beim 1. Mal hatten sie eine Meisterschaft in North Carolina. Das war 1974. Jeder konnte mitmachen. Ich bin meinen Brüdern da runter gefahren und war der Einzige, der etwas erreicht und gewonnen hat. Wir sind weiterhin auf Wettbewerbe gefahren. Nach und nach haben wir alle etwas gewonnen. So ungefähr 1979 wurden wir auch mit der Band Weltmeister, mit meinen Brüdern, meiner Familie.

Großartig, gratuliere ich, dafür muss man ganz schön flott sein. Können wir mal etwas hören?

Und dann spielt er. Weltmeisterlich, virtuos!

Töchter Amy und Laura fallen ziemlich auf. Nicht nur, weil sie in ihren Zwanzigern sind und mit Abstand die jüngsten Teilnehmer der Session in Bedford sind, sondern auch, weil auch sie schon erste Zahnlücken haben. Mountain Music, Bluegrass, ist das etwas für junge Frauen?

Wir beide sind damit aufgewachsen. Wir haben gelernt, indem wir ihm zugehört haben. Die Musik ist ansteckend.

Und hat es die begabte Geigerin Laura schon einmal mit klassischer Violine versucht?

Nein, ich kann nicht einmal Noten lesen. Das kann niemand in unserer Familie. Ich habe ein bisschen mit Tabulaturen gearbeitet. Als ich mit der Fiedel anfing, hat mir mein Vater in den ersten Monaten ein paar Sachen aufgeschrieben. Dann hat er gesagt. Wenn du spielen willst, musst Du lernen, nach dem Gehör zu spielen.

Begrabt mich unter der alten Trauerweide, heißt es im Lied, das die berühmte Carter Family in Appalachia gehört und in den 1920er Jahren aufgenommen hat. „Bury me under the weeping willow tree”.

Ricky Ellis und seine Töchter spielen und singen hervorragend. Für großen wirtschaftlichen Erfolg hat es wie bei unzähligen Künstlern aus Appalachia trotzdem nicht gereicht.

Inzwischen ist es so schlimm, dass sie nicht einmal 500 Dollar für einen Auftritt einer sehr guten Band bekommen.

Es ist eben alles nicht mehr so wie früher. In einer anderen Zeit, die angeblich besser war. „Make America great again“. Der Wahlslogan Donald Trumps war wie massgeschneidert.

„Für die Liebe zu den alten Südstaaten liege ich jetzt in dieser Ziele für die Liebe zu Dixie werde ich in diesem Nordstaat sterben“. Zeilen aus dem Bürgerkriegslied Rebel Soldier, der die sklavenhaltenden Südstaaten verherrlicht. Zeilen, die bei Ricky Ellis Emotionen auslösen.

Es gibt diesen sehr berühmten Song „Rebel Soldier“. Dieses Lied hängt mit so vielen Dingen zusammen. Da bekommt man sofort tränende Augen, weil es ein so trauriger Song ist.

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Pickers and Fiddlers in Bassett

“Pickers and Fiddlers” hat Baptistenpfarrer Jim Hewitt das Treffen der Bluegrass-Freunde in der Pocahontas Baptist Church in Bassett, Virginia genannt. Der Name der Kirche hat nichts mit Indianern zu tun. Die Frau des örtlichen Möbelherstellers und Kirchenstifters hieß Pocahontas. Bluegrass-Fan und Gitarrenspieler Hewitt meint: Man kann doch den heiligen Geist nicht in eine Kiste sperren. Er singt auch mit Banjos, Mandolinen und Gitarren. Die Stifter hatten eher eine traditionelle Hochkirche im Sinn und drehten sich wohl im Grabe herum, wüssten sie von der Bluegrass-Session im Keller der Pocahontas Baptist Church.  Dabei ist die Gospel-Musik ein enger Verwandter der Mountain Music.

Die Menschen in den Appalachen waren ein unterdrücktes Volk. Sie sangen darüber, was ihre Seelen beschwerte. So befreiten sie sich. Sie arbeiteten die ganze Woche hart auf den Feldern und in den Fabriken. Dann kamen sie zusammen und sangen über die Dinge, die sie erlebten.  Das brachte sie zur Musik.

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Baptisenpfarrer Jim Hewitt spielt bei Pickers and Fiddlers mit

Die Bluegrass-Baptistenband besteht aus gestandenen Musikern. Sie kennen das Repertoire der Berge auswendig.

Ich bin Bobby Scott. Ich kann mich nicht daran  erinnern, wie lange ich schon Banjo spiele. Mein Vater hat mir das Instrument in die Hand gedrückt. Ich bin Linkshänder. Habe mir nie darüber Gedanken gemacht, dass die Saiten für mich falsch herum aufgezogen waren,  bis ich über 20 war.

Bobbys Witz ist durchaus auch ein wenig bitter:

Wir haben nicht viel Spass, aber wir verdienen eine Menge Geld  

Mein Name ist Tim Martin. Ich spiele die Fiedel. Das mache ich seit meinem 7. Lebensjahr. 2008 habe ich den 1. Platz beim Wettbewerb in Galax belegt. Mal sehen, ich kann hier mal eine kleine Sache probieren.

Mein Name ist Fletcher Smith, ich spiele Mandoline. Interessant ist, dass die Mandoline und die Fiedel gleiche besaitet und gestimmt werden. Nur die Intervalle sind ein bisschen unterschiedlich. Also wechseln viele Musiker die Instrumente hin und her. Wer ein bisschen daran arbeitet, kommt klar.

Jim Philpott. Ich spiele ein bisschen Mundharmonika. Das wollte sonst keiner machen, also habe ich zugegriffen.

Ich versuche mich an der Gitarre. Ich bin in einer musikalischen Familie aufgewachsen. Mein Vater spielte Banjo. Ich fing mit 5 Jahren an. Ich heiratete eine Frau aus einer anderen musikalischen Familie, also machte ich weiter.

Die Instrumentalisten machen sich für den Auftritt fertig. Tim Martin denkt durchaus, dass Bluegrass eine Zukunft hat.

Ich glaube schon, dass Bluegrass überleben kann, aber die neuen Gruppen, die jetzt Musik aufnehmen und im Radio gespielt werden, die klingen zu sehr nach Nashville.

Um zu zeigen, wie handgemachte Musik klingt, spielen die Männer aus Bassett, Virginia „Your old standby“, einen Klassiker von Jim Eanes. Ich frage mich, ob Du mich vermissen wirst, wenn ich sterbe. Ich bin nicht mehr als nur ein Ersatz für Dich.

Am Ende der Session in Bassett wird dann doch deutlich, dass der Ort des Geschehens eine Baptistenkirche ist. Musiker und Publikum versammeln sich, singen nicht mehr Bluegrass-Musik, sondern uralte Spirituals. Swing Low, Down by the Riverside und natürlich Amazing Grace.

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Im Westen Virginias

Noch weiter im Westen wird Virginia schmal, ein Landzipfel eingezwängt zwischen Tennessee im Süden und Kentucky im Norden. Der Carter Highway, der Carter Family Fold, ein überdimensionierter Schuppen für fast 1000 Gäste. Hier wird die Geschichte der ersten Familie der Old-Time, Mountain und – Countrymusik gefeiert, der alte Laden und das Wohnhaus von AP, Sara und Maybelle Carter. Die Familie nahm zwischen 1927 und 1956 die Musik auf, die seit Generationen in den Bergen gespielt wurde.  Später kamen Helen, Anita, Janette und June Carter Cash, die Ehefrau von Jonny Cash hinzu.

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AP Carters alter Laden

In Bristol an der Grenze zu Tennessee nahmen die Carters 1927 ihre ersten Songs auf und wurden bei der Plattenfirma Victor unter Vertrag genommen.Sara sang die Leadsstimme, Maybelle Harmonien. Ihre Gitarrentechnik wurde weltberühmt. Songs wie “You´re gonna Miss me when I´m gone“ entstanden: Das Lied nach dem Film Pitch perfect eine Renaissance. Hunderttausende Kinder übten den Rhythmus der Plastikbecher aus dem Lied, das jetzt als Cup Song bekannt wurde.

Rita Forrester kümmert sich heute um den Carter Family Fold. Sie könnte in einem Film über das Leben im späten 19. Jahrhunderts mitspielen, ohne sich umziehen zu müssen.

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Rita Forester

Die Enkelin von AP und Sara Carter singt manchmal ein paar alte Lieder, sagt die Bands an, die im Family Fold auftreten und kümmert sich ansonsten um das Erbe einer Familie, die über Generationen hunderte von Songs produziert und aufgeführt hat. Großvater AP war für ein besonderer Mann.

Er ging nur drei Jahre zur Schule. Er war also nicht gerade eine gebildete Person. Aber er hatte etwas Zeitloses. Er hat die Musik dieser Berge in sich aufgenommen. Manchmal hatte er einen Vers und machte dann die Musik dazu, manchmal ein Stück, zu dem er Worte gesellte. Er war ein Lied-Schmied, ein Song-Handwerker. Es ist so wichtig, die eigene Geschichte in Ehren zu halten, sie zu schätzen, zu pflegen und nicht zu vergessen.

Am Abend spielt die Gruppe Big Country Bluegrass. Rasend schnelle Bluegrass-Nummern, zwischendurch zum Ausruhen auch einmal einen Walzer.

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Big Country Bluegrass

Die Carter Family stammt wie fast alle Menschen in Appalachia aus ärmlichen Verhältnissen.

Diese Gegend war extrem arm. Die Leute nennen das hier „poor valley“, das Tal der armen Leute. Mein Großvater machte allerlei Dinge, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Er war Schreiner, unterhielt eine Sägemühle, hatte eine Farm. Er war Lohnbauer. Er machte alles, um Geld zu verdienen. So wie die Meisten.

Alles, was einen Wert hat, wird aus Appalachia herausgeholt, kaum etwas kommt zurück, meinen die Leute hier. Das beste der Mountain Music wird in der Countryfabrik Nashville geschmeidig gemacht. Der Wald wird gerodet, die Landwirtschaft wirft nicht viel ab, die Kohle hat die Arbeiter und ihre Familien  nicht reich gemacht, sondern nur die Minenbesitzer. Wer in Amerika über Armut schreibt oder berichtet, fährt nach Appalachia. Poverty Porn wird das genannt, Armuts-Porno.

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Poverty Porn

Dee Davis leitet das Zentrum für ländliche Entwicklung auf der anderen Seite der Grenze  in Whitesburg, Kentucky. Der korpulente Mann mit Vollbart und großer Hornbrille kennt den Begriff sehr gut.

Ich denke, Armut in diesem Land ist immer eine schwierige Angelegenheit, weil das ironisch ist. Wir haben ein reiches Land. Wenn wir über Leute diskutieren, denen es nicht gut geht, verfallen wir in die alte schwarz-weiß-Malerei. Manchmal haben diese Bilder etwas Pornografisches. In den Kohlefeldern in den zentralen Appalachen sind wir seit langem arm, gemessen an nationalen, zum Teil auch internationalen Standards.

Ändern wird sich wohl nichts. Vor über 50 Jahren erklärte Präsident Johnson den Krieg gegen die Armut und reiste an. Bill Clinton kam, Barack Obama gab Geld für Bildung und Gewerbeansiedlung. Es half bisher wenig. Dee Davis kommt zu einem drastischen Schluss.

Die Politiker sind eine Bande von Lumpen. Sie sagen alles, wenn es ihnen nur Wählerstimmen bringt. Und die Politik folgt der Kultur.

Die amerikanische Kultur macht  sich lustig über die ungebildeten, sturen, konservativen Hillbillys. Auch über ihre komischen Lieder mit den hohen Stimmen, den Fiedeln, den Banjos, den Mandolinen und Gitarren. Von dieser Kultur kommt in Europa wenig an. Zu grell schwappt Hollywood, Nashville und New York kulturell über den Atlantik. Popstars, Hip Hop, Rap und Songwriter schaffen es in die internationalen Charts, die Musik aus den Bergen bleibt bis auf ein paar Ausnahmen dort, wo sie ist.Das wird den Musikern nicht gerecht. Sie haben ein  ausgeprägtes Heimatgefühl, einen Gemeinschaftssinn, der selten ist. Als immer mehr Bergbewohner bei den Industriebetrieben im  Ohiotal im Norden Arbeit suchten, wurde in einigen Betrieben 10 Tage durchgearbeitet. Danach gab es vier freie Tage. Die Menschen aus Appalachia fuhren nach Hause in die Berge. Sie haben traurige, geheimnisvolle, sehnsüchtige, tiefe Lieder erfunden, Lebenslieder, die nichts mit Moden zu tun haben.

Rosine liegt im Westen Kentuckys, oben auf der Jerusalem Ridge, abgeschieden, isoliert. Eine Straße, ein Laden, nach einer Fahrt über einen Waldweg der Familiensitz von Bill Monroe. Ein einstöckiges Holzgebäude, indem viele Kinder Platz finden mussten. Mary Sue Rimfroh erzählt Episoden, zeigt Nähma

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Die Jerusalem Ridge in Kentucky, Geburtsort des Bluegrass

schinen, Banjos und Ölbilder des Bluegrass-Vaters, die ihre Tante gemalt hat.

Gibt es den „Blue Moon of Kentucky“, den der Mandolinenspieler Monroe in einen Song packte, den Elvis Presley besang, eigentlich wirklich?

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Der Blue Moon Shoppe in Rosine

Es gibt so eine Zeit, irgendwann im August oder im Juli, da ist der Mond blau. Also nicht richtig blau, aber die Leute nennen ihn dann „blue moon“.

Gleich gegenüber wohnt Tom Ewing. Er spielte in den letzten Jahren von Bill Monroe Gitarre in dessen Band.

Ja, er konnte ein Tyrann sein, wenn man aber das spielte, was er wollte, war Monroe ein prima Typ. Und als Monroe hoch in den Siebzigern war, verpflichtete er seine Bluegrass Boys nicht mehr wie in früheren Jahren zur Farmarbeit. Ist die hinter der Musik steckende Haltung konservativ?

Ja, ich denke schon. Die Basis der Musik stammt ja von schwer arbeitenden Leuten mit christlicher Weltsicht, also: Man sollte immer hart arbeiten und nicht spielen. Es ist eben insgesamt eine ganz andere Welt!

 

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Tom Ewing, Bill Monroes Gitarrist, vor seinem Haus in Rosine

In Owensboro an der Grenze nach Indiana leitet Chris Joslin das internationale Bluegrass-Museum. Fotos, Instrumente, Zeittafeln, Bronzetafeln für die Künstler.

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Bluegrass Hall of Fame in Owensboro, Kentucky

Chris ist natürlich selbst Musiker. Er schnappt sich ein Banjo und will vor dem Interview ein paar Takte spielen. Der Reporter bekommt ohne weitere Umstände eine Gitarre in die Hand gedrückt.

Chris erzählt, dass er nichts mit Rock´n Roll anfangen kann, wohl aber mit den halsbrecherisch schnellen Banjoläufen des Bluegrass. Ein Instrument aus Afrika, eine Musik die viel mit den Songs der Afroamerikaner gemeinsam hat.

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Chris Joslin

Chris Joslin nimmt sein Banjo und spielt “Foggy Mountain Breakdown” von Bill Monroe. Das Lied wurde durch den Film Bonnie and Clyde berühmt.

Die Berge, da ist Chris sicher, haben etwas anderes zu bieten als Nashville, etwas Wichtigeres

Wenn sie Stil und Substanz bedenken, dann hapert es vielleicht hier und da beim Stil, aber die Substanz ist immer da.

Noch wichtiger, schließt Ricky Ellis, der Mandolinen-Virtuose aus Bedford, Virginia:

Freunde kommen und gehen, Bluegrass-Freunde nicht. Die bleiben dir treu!

Tom Ewing, der als Gitarrist mit Bluegrass-Legende Bill Monroe auf Tour war, Platten aufnahm und eine Biografie über ihn schrieb, ist bezogen auf die Zukunft der Musik aus den Bergen skeptisch. Wird Bluegrass überleben?

Schwer zu sagen, Andreas. Ich hoffe schon! Wenn ich mir die musikalischen Trends ansehe, kann ich mir kaum vorstellen, dass Bluegrass überlebt. Aber es wäre natürlich toll! Die Menschen sind flatterhaft. Sie ziehen von einem musikalischen Stil zum nächsten. Wäre Bluegrass in 50 Jahren noch populär, würde mich das wundern.

Gegen Ende seines Lebens spielte Bill Monroe gelegentlich „Wayfaring stranger“, eine Mandoline, eine hohe Stimme. In dem alten Folksong aus den Bergen geht es um einen armen, fremden Wanderer, der durch eine Welt voller Leid zieht, in ein Land ohne Krankheit und Gefahr, der Wanderer geht über den Jordan, nach Hause.

I’m just a poor wayfaring stranger
Traveling through this world below
There is no sickness, no toil, nor danger
In that bright land to which I go
I’m going there to see my Father
And all my loved ones who’ve gone on
I’m just going over Jordan
I’m just going over home
I know dark clouds will gather ‚round me
I know my way is hard and steep
But beauteous fields arise before me
Where God’s redeemed, their vigils keep
I’m going there to see my Mother
She said she’d meet me when I come
So, I’m just going over Jordan
I’m just going over home
I’m just going over Jordan
I’m just going over home

 

Politik: Regelbrecher – 1 Monat President elect Donald Trump

Politik: Regelbrecher – 1 Monat President elect Donald Trump

Ein Monat ist es her, seit Amerika, seit wir Berichterstatter so gestaunt haben wie lange nicht. Donald Trump wird 45. US-Präsident. Der raue reality-TV-Mann, Markenspruch „You´re fired“,  der erst die Profipolitiker der republikanischen Partei wegbiss, der dann die Frontalattacke gegen Hillary Clinton ritt, setzte sich tatsächlich durch. Der un-Politiker, der Planlose, der Peinliche. Der Mann, der den Nerv der Zeit traf, die Menschen erreichte, die nicht von der Globalisierung profitieren, der auch Minderheiten ansprach, die nicht mehr an die Reformierbarkeit von Politik glauben. Wir staunen immer noch. Und jetzt?

Eine klare Linie? Fehlanzeige! Donald Trump, der in atemberaubendem Tempo die Washingtoner Politik umkrempelt, bleibt unkalkulierbar. Ist das gewollt, inszeniert oder aus Unkenntnis der Materie, das liegt im Auge des Betrachters.

Einen Monat nach der Wahl ist Donald Trump für das Time-Magazin „Person of the year“, Person des Jahres. Wer die Bücher seiner Biografen liest, darf annehmen, dass Trump eitel genug ist, diesen Titel zu mögen. Der Untertitel dürfte ihm weniger gefallen: Er wird als Präsident der „geteilten Staaten von Amerika“ bezeichnet.

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Bus mit Senderwerbung in Washington

Politische Witzfigur, scharfzüngiges Sprachrohr der Rechten, gewählter Präsident. War er vor dem 8. November bei einem Drittel der Amerikaner beliebt, ist er jetzt bei fast der Hälfte der US-Bürger populär. Sie wollen dem ungewöhnlichen „Neupolitiker“ eine Chance geben und hören auf Signale, die versöhnlicher klangen als Trumps Hassreden im Wahlkampf.

Er spricht mit Obama, den er noch vor Monaten bezichtigte, gar kein US-Bürger zu sein, den er jetzt plötzlich in höchsten Tönen lobt. Er holt den Establishment-Republikaner Reince Priebus als Stabschef, trifft sich mit Erzfeind Mitt Romney, der Außenminister werden könnte, will Boeing den Auftrag für das überteuerte Projekt „Air Force One“ entziehen und inszeniert die Rettung von Fabrikjobs in Indiana als wirtschaftspolitischen Erfolg noch vor Amtsantritt. Die US-Börsenindizes gehen nach oben, viele Bürger glauben: Trump ist gar nicht so schlecht.

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Trump-Weihnachtsornament

Aber er bleibt unkalkulierbar. Dafür mögen ihn seine Wähler.  Leute, von denen die Meisten keine Wunder erwarten, die aber alle wollen, dass der aus ihrer Sicht korrupte Washingtonter Sumpf trockengelegt wird. Ich denke, Trump, der mehr als 4000 Posten besetzen muss, merkt jetzt jeden Tag, wie schwer das ist. „Politiker werden Euch nie ins gelobte Land bringen“, feuerte er seine Fans im Wahlkamp an. Jetzt ist er….ein Politiker. Einer, der noch nicht plausibel gemacht hat, wie er seine wenig durchsichtigen Geschäfte von der Politik trennen wird.

Trump holt drei ehemalige Generäle in sein Kabinett, als Sicherheitsberater, Verteidigungs und  Heimatschutzminister, benennt einen Klimawandelleugner und Kohlefreund für die Spitzenposition der Umweltbehörde EPA und Steve Bannon als Chefberater. Ein Mann, der die rechtskonservativen Breitbart News groß gemacht hat. In den Augen von Kritikern ein politischer Brandstifter, Gallionsfigur der „Alt-Right“-Bewegung, die mit Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit und Rassismus in Verbindung gebracht wird . Trump sorgt für diplomatische Verstimmung, wenn er mit Taiwan in Kontakt tritt, bevor er mit China kommuniziert. vEr strotzt mit seiner über Twitter verbreiteten Empfindlichkeit. Wenn er sich über Comedysendungen aufregt oder einen Gewerkschafter kritisiert, der auf Trumps Übertreibungen bei der Rettung von Fabrikjobs aufmerksam macht. Muss ein kommender US-Präsident nicht über diesen Dingen stehen? Schaffen es seine Leute wirklich nicht, ihn von den sozialen Medien fernzuhalten?

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Der Hass-Wahlkampf

Die Konservativen könnten enttäuscht sein. Weil es mit der Streichung der verhassten Krankenversicherung Obamacare langsamer vorangehen wird als versprochen,  weil die Mauer auf der Grenze nach Mexiko in Abschnitten auch ein Zaun werden könnte, weil es mit der Abschiebung illegaler Einwanderer auch nicht so flott gehen wird, weil der IS nicht wie zugesagt in wenigen Wochen zerstört werden wird.

Und die Trump-Gegner? Gehen durch alle Phasen der Verlustbewältigung.

Sie leugnen, hoffen auf Neuauszählungen und Wahlmänner, die sich doch noch anders entscheiden. Sie haben Schuldgefühle: „War Hillary Clinton die richtige Kandidatin zur richtigen Zeit?“ Haben sie zugehört, wenn Globalisierung-Verlierer ihre Sorgen beschrieben. Die Medien üben Selbstkritik. Haben wir Trump zu viel gratis-Werbezeit geschenkt?

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Demokraten täuschten sich

Sie sind wütend, rufen auf den Straßen Amerikas „Not my president“. Sie feilschen: Al Gore spricht im Trump Tower mit dem künftigen Mann im Weißen Haus, um ihn von den Gefahren des Klimawandels zu überzeugen. Obama macht gute Miene zur anstehenden Vernichtung seines politischen Erbes und zeigt sich überrascht von einem interessierten Nachfolger.

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Obama, der Verlierer

Sie haben Angst: Vor dem Mann, der in Zukunft als Oberbefehlshaber der Streitkräfte Herr über die Atomwaffen sein wird. Sie nehmen ihr Schicksal an, haben Achtung vor dem Amt. Er ist nun einmal unser künftiger Präsident. Wir werden die nächsten vier Jahre schon überleben.

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In der Washingtoner Gallery of Art

Nach einem Wahlkampf voller Hass, voller bodenloser Unwahrheiten, die über soziale Medien verbreitet wurden,  wachsen die wütenden Übergriffe. Gegen Minderheiten, gegen Andersgläubige, auch gegen Trump-Unterstützer. Die „hate crimes“ werden nicht so schnell verschwinden. Auch nicht, nachdem Donald Trump am 20. Januar vereidigt wird.

 

Stories:Pizzagate- Abschied von der Wahrheit

Stories:Pizzagate- Abschied von der Wahrheit

Comet ist eine beliebte Pizzeria an der Connecticut Avenue, einer der Hauptdurchgangsstraßen im Nordwesten Washingtons, vielleicht 200 Meter von meiner Wohnung entfernt. Wir saßen dort zusammen mit einer Familie aus Argentinien, als Deutschland 2014 Fußballweltmeister geworden war. Kinder von Freunden feiern dort gern Geburtstag, wegen der Tischtennis-Platte. Meine Tochter liebt Comet deshalb. Sie verfügt über eine Vorhand, die gleichaltrige Jungs das Fürchten lernt.

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Comet Pizzaria in Washington

Comet ist aber auch Ort einer wilden, abstrusen Konspirationstheorie, genannt „Pizzagate“: Das Familienrestaurant soll Basis eines von Hillary Clinton und ihrem Kampagnenmanager John Podesta betriebenen Kinder-Sex-Rings sein. Ein Treffpunkt  pädophiler Demokraten. Seit November kursieren die Gerüchte.Der Ursprung: Von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichte Podesta-emails, vielfach angereichert mit der dunklen Fantasie zahlreicher Autoren.Ein Schneeballeffekt. Die Geschichte wurde immer wilder, prallte wieder und wieder an den Wänden der Echokammer des Internets ab.

„Wir haben es hier mit einem dunklen Herrscher zu tun“, schreiben Anhänger in den sozialen Medien. Ein angeblicher Beweis: Restaurant-Toiletten, die etwas versteckt liegen, fingierte E-Mails von John Podesta, in denen es um Pool-Parties mit 6-jährigen geht. Widerlich. Und doch: Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Pizzagate erfunden ist, tweeten Anhänger der ekligen Spekulation. Obwohl alle großen Nachrichten-Medien inklusive New York Times und Fox News längst bestätigt hatten: Pizza Gate ist eine Erfindung.

Als am 4. Dezember nachmittags Polizeiautos auffuhren, Hubschrauber bei uns über dem Haus kreisten, dachte ich mir nichts böses, wollte Küchenrollen im Drogeriemarkt kaufen. Aber selbst für Fußgänger gab es kein Durchkommen. Eine Polizeibeamtin: ”Ich weiß auch nicht genau, was sich hier abspielt“ und ließ mich durch. Aber an der Kreuzung zur Connecticut Avenue stand ein weiterer Polizist, winkte. Kein Durchkommen, die Straße ist gesperrt. Eine Nachbarin erzählte: Das hat etwas mit Comet, mit Pizzagate zu tun.

Ein paar Stunden später wurde klar.

Ein 28 Jahre alter Mann aus North Carolina war mit einer Schnellfeuerwaffe bei Comet eingedrungen, hatte geschossen. Niemand wurde verletzt.

Barmann Lee Elmore erinnerte sich später.

Er hat keinen Augenkontakt aufgenommen. Er hat mit niemandem geredet.

Er wollte die Sache in die Hand nehmen, Pizzagate selbst untersuchen, gab der bewaffnete Mann später gegenüber der Polizei im Verhör an. Er wollte  Kinder retten. Als er gemerkt habe, dass gar keine Kinder im Restaurant festgehalten werden, habe er sich ergeben.

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Der 28-hährige Schütze gibt auf. Quelle: CNN

Meine Nachbarin Julie:

Die Leute schreiben diese ganzen hasserfüllten Nachrichten, aber man denkt doch nicht, dass sie wirklich etwas unternehmen.

Der Mann aus North Carolina tat genau das, unternahm etwas, nahm die Anschuldigungen aus dem Internet für bare Münze und zum Anlass, schwer bewaffnet aktiv zu werden.Hier im beschaulichen Nordwesten Washingtons, dem Quartier der Botschaftsleute, der Mitarbeiter von Weltbank, Internationalem Währungsfonds und Korrespondenten von Medien aus aller Welt. Ausgerechnet. Comet-Besitzer James Alefantis ist schockiert, weil das liberale Washington, weil seine Pizzeria Zielscheibe geworden sind. Stunden nach den Schüssen sagte er dem Fernsehsender NBC:

Was heute geschehen ist zeigt, dass es Konsequenzen hat, wenn falsche und rücksichtslose Verschwörungstheorien vorangetrieben werden.

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James Alefantis. Quelle: NBC

Und Abby Philip von der Washington Post warnte in CNN:

Die Wahrheit als Grundlage unseres Umgangs miteinander zu unterminieren ist wirklich gefährlich. Wenn sie das heute tun, wird es auf sie zurückfallen.

„Bevor bewiesen ist, dass es sich bei Pizzagate um eine Lüge handelt, bleibt es eine Geschichte“, schreibt Michael Flynn auf Twitter.

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Er ist nicht irgendein Anhänger der wilden Pizzagate-Spekulationen, sondern Sohn des designierten US-Sicherheitsberaters Michael Flynn. Geschichten leben, einmal im Netz, ein Eigenleben. Der Eindringling im Comet in Washington war ein Schauspieler, instrumentalisiert von den großen Medien. Die Geschichte war inszeniert, um vom Pädophilenring in der Pizzeria abzulenken. Die Wahrheit hat es schwer, wenn angebliche Autoritäten wildeste Beschuldigungen veröffentlichen, um ihren Gegnern zu schaden.

Berater des kommenden Präsidenten Donald Trump distanzierten sich entschieden von der Flut  der „Fake News“. Hat der kommende Präsident nichts damit zu tun, dass es in den USA kaum mehr eine verlässliche Wahrheit  zu geben scheint? Die mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Internetseite Politifact hat den Wahrheitsgehalt von Donald Trumps Aussagen unter die Lupe genommen.

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Trumps Anhänger nehmen die geringe Ausbeute nicht krumm. Argument: Es geht ums große Ganze, um Jobs, um die Zukunft des Landes, den verletzten Stolz der Bürger. Der Schütze von Washington aber soll von einer frei erfundenen Geschichte inspiriert worden sein, von Pizzagate. Twitter und Facebook statt Washington Post, CNN oder NPR. Viele Amerikaner haben entschieden, wo sie sich informieren wollen. Und jetzt auch, wie sie darauf reagieren. Mit Waffen, wie am 4. Dezember im ruhigen Nordwesten der Hauptstadt Washington. Substanz und Beweise sind nicht nötig, um aufgebrachte Bürger zu motivieren. Eine Lösung? Nicht in Sicht. Jim Geraghty von der National Review scherzt: Wir könnten ja das Internet schließen.

Meine Nachbarin Karen, unsere Kinder gehen zusammen in die Schule, sieht die Konsequenzen von Jahren voller Lügen. Ihr Appell wird nicht bei den Konspirationstheoretikern ankommmen.

Fingierte Geschichten haben jetzt reale Konsequenzen. Seht Euch doch die Fakten an, bevor ihr ungeprüft glaubt, was ihr im Internet lest. Es gibt doch massenweise glaubwürdige Quellen.

Meine Familie und ich werden die nette Pizzeria um die Ecke wieder besuchen. So wie viele unserer Nachbarn und Freunde. Aber manche Bewohner unseres Viertels werden fern bleiben. Zu gefährlich.

 

 

 

Stories: Voll der Drill – eine Tennis-„Clinic“ mit Wayne Brian

Stories: Voll der Drill – eine Tennis-„Clinic“ mit Wayne Brian

In Washington werden jeden Sommer die „Citi Open“ ausgetragen, ein Tennisturnier mit vielen großen Namen, aber auch ein soziales Ereignis, bei dem Spenden für Kinder in Not und den sportlichen Nachwuchs gesammelt werden. Wayne Bryan, Vater der Bryan-Zwillinge, dem vielleicht erfolgreichsten Tennis-Doppel aller Zeiten, bietet zum Beispiel eine „Clinic“ an, eine Übungseinheit für Kinder zwischen 12 und 18. Da geht es ganz schön knackig zu!

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Die Brian Brothers, Zwillinge, berühmtes Tennis-Doppel

„Bin ich ein netter Kerl“, grölt der stiernackige, kompakte Mann mit Schirmmütze und Pilotensonnenbrille ins Mikrofon. „Nein, bin ich nicht“, antwortet er selbst, „aber dafür lernt ihr etwas“. 30 Mädchen und Jungen zwischen 11 und 17 Jahren hängen an den Lippen des Mannes, der Vater und ex-Trainer der berühmten Bryan Brothers ist. Weißes Polo, weiße Kappe, schwarze Shorts, eindrucksvoller Bauch.

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Wayne Brian

„Die Teams in Reihen aufstellen“, brüllt er jetzt. „Ihr habt 5 Sekunden“. „Ich sage das nur einmal“.  Wer bei 35 Grad im Schatten nicht pariert, kommt auf die Loser-Seite von drei Tennisplätzen, auf denen exerziert, pardon, trainiert wird.

Fast alle stehen, Schläger auf dem Boden, Augen geradeaus. Die anderen werden in die Verliererecke geschickt.

Vor meinem inneren Auge stelle ich mir die gleiche Szene auf einer deutschen Trainingsanlage vor. Und die jungen Leute, die grummeln. „Mann, was für ein Ton“. Von den Jugendlichen, die Sehnsucht nach ihrem Smartphone haben und wenig Lust auf Sport.

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In Reihe

Hier ist das anders. Den Ball im Spiel halten heißt das Motto, jedes Kind hat einen Schlag. Jeder Ballwechsel wird von Waynes lautem Einpeitschen begleitet: „Wer von Euch hat den Mumm, wer hat den Mumm“. Viele haben ihn. Entwickeln ihn. Geben sich Mühe, keinen „Mishit“ zu produzieren, den Ball sauber zu treffen.

Am Schluss gibt es ein Gewinnerteam.

Wayne Bryan fordert Applaus. Das Team erhält ihn, dann diejenigen, die weniger Erfolg hatten, dann die Trainer, dann die Eltern.

Was haben wir heute gelernt?

Immer fair spielen“, antwortet der Chor der 12 – 18-jährigen.

Was noch?

Voller Einsatz! Nur mit vollem Einsatz können wir es so weit bringen wir die Bryan-Brüder.

Die jungen Leute klatschen, schwitzen, flüchten in den Schatten.  Die Trainingseinheit ist zu Ende.

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Wayne Brian peitscht ein

Wayne Bryan ist ein netter Kerl, der sich rau gibt. Einer, der sich nicht nur mit dem Tennissport auskennt, sondern auch mit dem Leben. Einer, der grollt und sich den jungen Menschen trotzdem zuwendet. Das haben die Kinder von Anfang an gespürt, haben sich eingefügt, dem Drill unterzogen, denn sie sind schon von der uramerikanischen Überzeugung durchdrungen: Wer hart arbeitet, bringt es weit.

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Andy Murray, Nummer 1 im Herrentennis

Es funktioniert. Es wirkt nicht albern, nicht übermässig autoritär, sondern überzeugend. Die Kinder und Jugendlichen schwitzen und grinsen. Das hat Spass gemacht. Vielleicht wird ja einer der 30 Teilnehmer Tennisprofi. Vielleicht haben ja die anderen 29 Spaß am Sport und können ihr Durchhaltevermögen anderswo in ihrem Leben einsetzen. Bestimmt sogar.

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Geschafft

Stories: Wenn der Holzhändler kommt

Stories: Wenn der Holzhändler kommt

In Washington ist es gut, einen kleinen Brennholzvorrat zu haben. Die vergangenen Winter waren ziemlich, kalt, die Wahrscheinlichkeit eines Stomausfalls, der auch die Heizung außer Gefecht setzt, geht gegen 100%. Seit dem Spätsommer fährt immer mal wieder ein Truck vor, jemand steigt aus, klingelt, bietet Brennholz in einem Kauderwelsch an, dem auch der Amerikanischkundige unter keinen Umständen folgen kann.

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Die Ware ist in der Regel morsch, feucht, unbrennbar. Aber draußen in Maryland gibt es glücklicherweise Farmen, die echtes Hartholz zu fairen Preisen anbieten. Die Deutschen haben ihr Klafter, die Amerikaner den Cord, ein uraltes Maß eben, theoretisch ist ein solcher Holzhaufen 4 Fuß hoch, vier Fuß breit und acht Fuß lang. Ganz theoretisch. Als Tom vorfährt, entpuppt sich mein halber Cord als eine Truckladung Holz. Ordentliche Ware, die meine Familie sicher durch den Winter bringen wird. Der Diesel tuckert und stinkt. Tom, ein dürrer, kleiner Kerl mit Seelöwen-Schnauzer würde im Traum nicht auf die Idee kommen, den Motor abzustellen. Auch wenn er offenbar fest entschlossen ist, mir in den nächsten 20 Minuten sein Leben zu erzählen, seine Gesinnung preiszugeben, seinen Glauben mitzuteilen. Den Job macht Tom nur in der Saison. Und für Holz herrscht gerade Hochsaison.Zum Aufwärmen fangen wir mit Sportergebnissen an. Weiter geht’s mit seinen Erfahrungen im Irakkrieg. Wie sein Kumpel angeschossen wurde, wie toll er die Deutschen findet, denen er allerdings ankreidet, kein militärisches Abschreckungspotential zu besitzen. Ob wir denn nicht unsere Souveränität verteidigen wollen. Ich schaue mir den Holzhaufen an. Doch, das ist gutes Holz, viel Buche, wenig Nadelholz, gut abgelagert. Abschreckung ist wichtig. Auch wenn es den Anschein hat, dass wir uns von Putin, Assad und den Chinesen zum Narren halten lassen. Wir Amerikaner würden nie unsere Souveränität, unsere Freiheit aufgeben.

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Ich denke gleichzeitig daran, wie lange es dauern wird, das Brennholz stapeln, wie weit die Einwohner Washingtons den kalten Krieg hinter sich gelassen haben, wie sehr weite Bevölkerungsteile im Rest von Amerika weiter mitten in ihm leben, wie ich einen eleganten Weg finde, das Gespräch zu beenden, ohne unhöflich zu sein. Tom gestikuliert, erzählt von Chinesen und Saudis, von amerikanischer Überlegenheit und weltweiter Verschwörung, natürlich gegen Amerika, gegen die Freiheit. Der Diesel brummt. Ich bin ausgestiegen, kann nicht mehr folgen, als er zum finalen Schlag ausholt: Das Jüngste Gericht. Die Abrechnung steht unmittelbar bevor. Das haben Paulus und vor allem Johannes glasklar herausgearbeitet. Warum bloß setzt sich niemand damit auseinander, natürlich neben der wichtigen nuklearen Abschreckung und der genauen Beobachtung jedes einzelnen Schrittes von Putin, am besten auch aller anderen Schurken der Welt.Mir ist schwindelig. Aber: Mein Holz ist Ungeziefer-frei, gut abgelagert und trocken. Es ist gut, in Washington einen kleinen Holzvorrat zu haben. Für alle Fälle.

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Amerikaner: Tracy Earlenbaugh, Leesburg, Virginia

Amerikaner: Tracy Earlenbaugh, Leesburg, Virginia

Leesburg, Virginia wirkt wie ein Südstaatenstädtchen, in dem die Zeit seit mehreren Jahrzehnten still steht. Früher hat hier einmal der 5-Sterne-General George C. Marshall, Architekt jenes Marshall-Plans gewohnt, der Westdeutschland nach dem 2. Weltkrieg ersparte, ein Agrarstaat zu werden. Ansonsten ist Leesburg an der Flussbiegung des Potomac ein Speckgürtel-Ort außerhalb von Washington. Knapp 50000 Einwohner, ein paar Kneipen, ein hübscher Weihnachtsmarkt, Geschäfte mit 60-er Jahre-Schaufenstern.

In einem der Backsteinhäuser an der Kings Street, im 1. Stock, bietet TW Firearms Waffen an. Der Verkaufsraum wirkt wie ein Wohnzimmer, aber in den Regalen und auf Ständern befinden sich statt Büchern Pistolen, Gewehre, Schnellfeuerwaffen.

Tracy Earlenbaugh ist Verkäuferin in dem kleinen Laden, Beraterin, Waffenfreundin, Anfang 30, dunkelbrauner Pferdeschwanz, Bluse mit Blumenmuster, Sonnenbrille, ein Revolver im Halfter über der Jeans.

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Tracys Weltbild? Sie ist froh, dass Donald Trump die Präsidentschaftswahl im November 2016 gewonnen hat. Ein Mann, der für den 2. Verfassungszusatz eintritt, für das Recht, Waffen zu besitzen und bei sich zu tragen. Als Autor dieses einen Satzes wird James Madison genannt. Am 15. Dezember 1791 trat der Artikel in Kraft.

Da eine  gut geordnete Miliz für die Sicherheit eines freien Staates notwendig ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden

Tracy schweigt zu der Frage, ob die Gründerväter denn nun Waffen für militärische Zwecke im Sinn hatten oder das Recht des Einzelnen auf Waffenbesitz. Kein Wunder, denn auch das oberste US-Gericht hat sich mehrfach mit dieser Frage befasst. Ja, das Recht bezieht sich auf den Einzelnen, das bedeutet aber nicht ein Verbot einer Regulierung. Der ursprüngliche Gedanke, dass sich militärische Verbände der Bundesstaaten gegen eine autoritäre Zentralregierung oder Kräfte von außerhalb zur Wehr setzen könnten, scheint verloren gegangen zu sein. Dafür belegen mehrere Studien: Es gibt mindestens 300 Millionen Feuerwaffen in den USA. Grob eine Pistole oder ein Gewehr pro Bürger.

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Natürlich ist Tracy Mitglied der Waffenlobby NRA. Die Bemühungen der vergangenen Jahre, die verfassungsmäßigen Rechte zu beschneiden, waren für sie ein Holzweg.

Mehr Waffen bringen mehr Sicherheit. Bringen bewaffnete Bürger Attentäter zur Strecke, könnten Terroranschläge verhindert werden. Greifen beherzte Amerikaner mit Schusswaffen ein, würden Massaker weniger Opfer fordern.

Tracy schaut ernst. Mehr Waffen also sollen die Lösung sein, nicht weniger?  Die Idee der Wehrhaftigkeit sticht die der Prävention durch Waffenverbote? Sie drückt dem deutschen Besucher mit reinem Luftgewehr-Hintergrund das AK47 in die Hand. Eine leichte Waffe. Liegt gut in der Hand. Wie sich das wohl anfühlt, zu feuern? Auf einen Strohsack oder eine Zielscheibe? Eigenartige Gedanken, seltsame Gefühle für den Menschen aus einer Kultur, die Waffen tief verabscheut, ohne jemals eine berührt zu haben. Hier könnten Amerika und Europa nicht weiter voneinander entfernt sein. Eine junge, überzeugte Waffenhändlerin trifft auf einen Besucher, der keine Ahnung von ihrem Geschäft hat, der in Zeiten der Friedensbewegung, des Antimilitarismus, der Worte als einzigem Mittel der Auseinandersetzung aufgewachsen ist. Ein unauflösbarer Konflikt, der mit der Traditionswaffe in der Hand albern erscheint.

Der Punkt ist für Tracy: Hier in Virginia sind Waffen eine Selbstverständlichkeit.Sie kennt nicht einen Menschen, der jemals Unfug mit Schusswaffen angestellt hat. Es gibt einen klaren Verhaltenskodex.Der auf abscheuliche Art gebrochen wird, wieder und wieder, der tausende Menschenleben fordert?

Ja, klar, aber dafür kann ich nichts. Dafür können die Millionen von rechtschaffenen Waffenbesitzern nichts.

Kunde Bruce, einer der Käufer, die aus der nahe gelegenen Hauptstadt Washington, aus Maryland und Virginia kommen, um sich mit Pistolen, Gewehren und Munition einzudecken, dreht seine Runden um eine Kalaschnikow, die einzige verbliebene AK-47 aus Russland im Laden. Er nimmt die Waffe mit dem Holzgriff aus dem Ständer, zielt.

Robust,

lacht er.

Ich denke schon darüber nach, sie zu kaufen.

Wirklich? Bruce in blauen Shorts und schwarzem T-Shirt mit fast kahlrasierten Schädel meint:

Ja!

Ist doch klar, die Leute wollen eben immer haben, was sie nicht bekommen können, grinst Tracy.

Als Russland die Ukraine annektierte, verbot Präsident Obama die Einfuhr einer ziemlich alten Waffe: Der AK47, besser bekannt als Kalaschnikow.

Bei TW war der Teufel los. Innerhalb von Stunden. Die Leute kamen und kauften. Stückpreis um die 1000 Dollar. Jetzt gibt es noch die eine Kalaschnikow.

Das Importverbot hatte eine kurze Lebensdauer. Russische Geschäftsleute sind nämlich schlau. Sie bieten genau diese Waffe außerhalb von Russland an. Amerikanische Importeure beziehen sie von einer Firma, die nicht in Russland beheimatet ist.

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Foto: Beverly Denny
TW-Eigentümer Tyler Whidby, drahtig, Mitte 30  lächelt:

Obama war der beste und der schlechteste Waffenverkäufer der Welt. Er hat den Verkauf mit der Angst angekurbelt. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Die Geschichte hat bewiesen,  dass Waffenkontrolle schlecht ist.

Tracy zeigt bunte Pistolen, pink und lila, moderne Pumpguns, Ammo, wie die Munition hier genannt wird. Wie in allen Geschäftsfeldern ist der kleine Laden Basis für ein viel umfangreicheres online-Geschäft.

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Nebenbei erzählt sie von ihrer Familie, die seit vielen Generationen in Virginia zu Hause ist. Am östlichen Rand der Appalachen, wo Waffen immer eine Rolle spielten, zur Selbstverteidigung, für die Jagd. Eine Selbstverständlichkeit. Sie hat keine Bedenken.

Tracy macht mit einem Kunden, der sich für eine deutsche Walther-Pistole entschieden hat, den Papierkram. Personalien, Biografie ohne kriminelle Vergangenheit, Backgroundcheck.

Beim Verkauf neuer Waffen gibt es immer Background-Checks, danach liegt es am Einzelnen, Bundesgesetze einzuhalten.

Verfechter strengerer Waffengesetze sind sicher: Das reicht nicht. Sie zählen Schulmassaker, Schießereien in Musikclubs und auf offener Straße auf. Die Argumente zählen für Tracy nicht. Das ist doch alles eine Frage der Haltung. Waffen in den Händen verantwortungsvoller Bürger sind ein Segen, kein Fluch. Davon ist sie felsenfest überzeugt.

Schurken werden immer an Waffen herankommen. Wer soll sich mit ihnen anlegen, wenn wir wie die Europäer Waffen verbieten. Die Antwort auf diese Frage gab es doch in Paris, Brüssel und Nizza.

Für Waffensammler Bruce, der sich für das russische Gerät aus Eisen und Holz entschieden hat, ist klar.

Ich werde niemals damit feuern.

Schließlich verrät Tracy, umringt von grauen Pistolen und stählernen Schnellfeuerwaffen das TW-Geheimnis.

Wir setzen auf individuelle Beratung. Das ist ganz anders als bei einem großen Waffenshop, der wie ein Wal Mart wirkt. Dort schauen die Leute in eine Glasvitrine und entscheiden sich für irgendeine Waffe. Wir fragen unsere Kunden, was ihre Ziele sind, was sie mit ihrer neuen Waffe vorhaben. Dann empfehlen wir ihnen ein Produkt.

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Das „Produkt“ ist in der Lage, Menschenleben zu beenden. Jeden Tag werden in den USA  mit Produkten, wie sie TW Firearms in Leesburg anbietet, Menschen getötet.

Tracy ist sicher: Damit hat sie nichts zu tun. Die Verantwortung tragen die Täter, nicht die Waffenhändler.

Stories: Die Heizung

Stories: Die Heizung

Die Temperaturen dieser Tage: Ein auf und ab. Hier in Washington fühlt sich ein Tag wie Frühling, der nächste wie Sibirien an. Ich will nicht meckern. Oben in Massachusetts und Maine trifft es die Leute ja viel härter. Geheizt wird in Amerika anders als in Deutschland. Bei mir ist das so wie in Millionen anderer amerikanischer  Häuser. Draußen steht die Klimaanlage. Die pumpt im Winter Luft in den Keller. Dort wird die kalte Luft an ohrenbetäubend lauten Gasflammen vorbei über ein System von Luftschächten durchs ganze Haus gepustet.

Der Idee, Wasser zu erhitzen und über ein Leitungssystem zu verteilen, um die Bude ein wenig nachhaltiger warm zu bekommen, folgen die wenigsten.

Ja, es gibt ein Thermostat bei mir im Haus, das Design sieht nach 1966 aus, beige und silber. Mit diesem Ding kann man die Temperatur tatsächlich beeinflussen.

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Es gibt auch einen Luftbefeuchter, gegen den trockenen, warmen Wind, der mit Getöse durchs Haus pustet. Der tut allerdings: Nichts.

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„My, my“, schüttelt der Installateur mit den vielen Zahnlücken kürzlich den Kopf, nachdem die Heizung für ein paar Tage ihren Geist aufgegeben und wir kuschelige Stunden vor dem Kamin verbracht hatten. „Das System hat schon bessere Jahre gesehen“. Stimmt wohl. Voller Sachkunde reißt der Mann beherzt ein paar Kupferdrähte aus der Zündanlage für die Gasflammen im Keller, beanstandet mit einem Seitenblick den Luftfilter, der lose vor dem Hauptansaugstutzen lehnt, zaubert von irgendwoher ein paar neue Drähte aus der Ecke, verschraubt die neue Verkabelung, zündet: Mit einem höllischen Röhren erheben sich die Flammen. Ob man den warmen Luftstrom denn ein wenig beeinflussen und steuern könnte, will ich noch wissen. Nach dem Motto: Warmes Wohnzimmer, kühles Schlafzimmer.

Klar, sagt der Experte, einfach den Lüftungsschacht in den entsprechenden Zimmern öffnen oder eben schließen. Gute Idee, die Klappen sind aber leider eingerostet.

Und überhaupt: In manchen Zimmern wird es schön warm, in anderen nicht. Hängt damit zusammen, wie die Luftschächte verlaufen. Ist wohl so.