In Washington werden jeden Sommer die „Citi Open“ ausgetragen, ein Tennisturnier mit vielen großen Namen, aber auch ein soziales Ereignis, bei dem Spenden für Kinder in Not und den sportlichen Nachwuchs gesammelt werden. Wayne Bryan, Vater der Bryan-Zwillinge, dem vielleicht erfolgreichsten Tennis-Doppel aller Zeiten, bietet zum Beispiel eine „Clinic“ an, eine Übungseinheit für Kinder zwischen 12 und 18. Da geht es ganz schön knackig zu!

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Die Brian Brothers, Zwillinge, berühmtes Tennis-Doppel

„Bin ich ein netter Kerl“, grölt der stiernackige, kompakte Mann mit Schirmmütze und Pilotensonnenbrille ins Mikrofon. „Nein, bin ich nicht“, antwortet er selbst, „aber dafür lernt ihr etwas“. 30 Mädchen und Jungen zwischen 11 und 17 Jahren hängen an den Lippen des Mannes, der Vater und ex-Trainer der berühmten Bryan Brothers ist. Weißes Polo, weiße Kappe, schwarze Shorts, eindrucksvoller Bauch.

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Wayne Brian

„Die Teams in Reihen aufstellen“, brüllt er jetzt. „Ihr habt 5 Sekunden“. „Ich sage das nur einmal“.  Wer bei 35 Grad im Schatten nicht pariert, kommt auf die Loser-Seite von drei Tennisplätzen, auf denen exerziert, pardon, trainiert wird.

Fast alle stehen, Schläger auf dem Boden, Augen geradeaus. Die anderen werden in die Verliererecke geschickt.

Vor meinem inneren Auge stelle ich mir die gleiche Szene auf einer deutschen Trainingsanlage vor. Und die jungen Leute, die grummeln. „Mann, was für ein Ton“. Von den Jugendlichen, die Sehnsucht nach ihrem Smartphone haben und wenig Lust auf Sport.

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In Reihe

Hier ist das anders. Den Ball im Spiel halten heißt das Motto, jedes Kind hat einen Schlag. Jeder Ballwechsel wird von Waynes lautem Einpeitschen begleitet: „Wer von Euch hat den Mumm, wer hat den Mumm“. Viele haben ihn. Entwickeln ihn. Geben sich Mühe, keinen „Mishit“ zu produzieren, den Ball sauber zu treffen.

Am Schluss gibt es ein Gewinnerteam.

Wayne Bryan fordert Applaus. Das Team erhält ihn, dann diejenigen, die weniger Erfolg hatten, dann die Trainer, dann die Eltern.

Was haben wir heute gelernt?

Immer fair spielen“, antwortet der Chor der 12 – 18-jährigen.

Was noch?

Voller Einsatz! Nur mit vollem Einsatz können wir es so weit bringen wir die Bryan-Brüder.

Die jungen Leute klatschen, schwitzen, flüchten in den Schatten.  Die Trainingseinheit ist zu Ende.

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Wayne Brian peitscht ein

Wayne Bryan ist ein netter Kerl, der sich rau gibt. Einer, der sich nicht nur mit dem Tennissport auskennt, sondern auch mit dem Leben. Einer, der grollt und sich den jungen Menschen trotzdem zuwendet. Das haben die Kinder von Anfang an gespürt, haben sich eingefügt, dem Drill unterzogen, denn sie sind schon von der uramerikanischen Überzeugung durchdrungen: Wer hart arbeitet, bringt es weit.

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Andy Murray, Nummer 1 im Herrentennis

Es funktioniert. Es wirkt nicht albern, nicht übermässig autoritär, sondern überzeugend. Die Kinder und Jugendlichen schwitzen und grinsen. Das hat Spass gemacht. Vielleicht wird ja einer der 30 Teilnehmer Tennisprofi. Vielleicht haben ja die anderen 29 Spaß am Sport und können ihr Durchhaltevermögen anderswo in ihrem Leben einsetzen. Bestimmt sogar.

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Geschafft

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