Kale

Irgendeine kulinarische Sau wird ja jeden Tag durchs Dorf getrieben. Kann man nichts machen. Grünkohl hat seinen Platz in der gentrifizierten Edelstahlküche erobert. Heißt natürlich nicht mehr Grünkohl, sondern Kale.

Meine Güte. An ganz schlimmen Tagen gab es bei uns früher solche Sachen. Grünkohl. Oder Wirsing, bis zur Unkenntlichkeit zerkocht. Und manches Familienmitglied heuchelte dann am Esstisch auch noch Genuss. Unerträglich, zum weglaufen, ungenießbar.

In den USA geht das schon seit Jahren so mit dem Supergemüse. Kein Supermarkt, kein Gemüseladen ohne Hinweis auf Superfood Kale. Von dunkelgrün bis giftgrün, manchmal mit ungesundem violett-Schimmer. Wahrscheinlich muss man nur oft genug wiederholen, wie wahnsinnig, unheimlich gesund der in Wahrheit nicht essbare Kohl ist, um das Zeug zu astronomischen Preisen und in erstaunlichen Mengen verkaufen zu können.

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Die Ärzte und Ernährungsberater rechnen vor: Eine Portion hat 33 Kalorien, fast 3 Gramm Proteine, ungesättigte Fettsäuren, massig Vitamine A, C und K. Dinge, die eine immer dicker und kranker werdende Gesellschaft braucht. Kein Zweifel. Die Fitnessfuzzis schwärmen: Wer Grünkohl isst, erkältet sich nicht, schützt sich vor Herzkreislauferkrankungen und wird nicht so leicht Krebs bekommen.

Kale: der Chuck Norris unter den Gemüsen, schon klar. Die tapferen Gesundheitsjünger beißen herzhaft zu. Comedian Jim Gaffigan nannte Kale einen

bitteren Spinat mit Haaren.

Schluss mit der Kale-Propaganda, fordert er. Kann man schon so sehen. Aber die Küchenchefs haben das Potential längst erkannt. Billiger Kohl als Basis für teure Speisen. Pastasoße mit Kale, Grünkohl-Smoothies, Kalesuppe, und richtig grausam: Kale-Chips.

Blätter aufs Backblech, Cayennepfeffer, Curry und Salz, 40 Minuten bei niedriger Temperatur in den Ofen. Fertig sind die ganz und gar unfettigen und ganz und gar geschmacklosen Chips (sieht man einmal vom wohlig-kohligen Eigengeschmack ab, der sich durch den ganzen Pfeffer immer noch Bahn bricht).

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An ganz schlimmen Tagen gab es bei uns früher solche Sachen. Grünkohl. Oder Wirsing, viel zu lange gekocht. Aber es gab auch bessere Tage. Nudeltage, Auflauftage, auch Salattage.

Alles wird gut. Bald schon. Dann werden die ganzen guten Ernährungsbewussten Superfoodkonsumenten so viel guten Kale zu sich genommen haben, dass die fetten Fastfoodpräsidenten und die Islamisten, die sich bekanntermaßen fast ausschließlich von geschächteten Hammeln ernähren,  keinen Stich mehr machen.

 

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